Connected Space – ein Berner Staffellauf der Kunsträume

Lokale Kunsträume gehen in Bern zu Gast und laden derweil auswärtige Initiativen zu sich ein

Connected Space verbindet Räume der Kunstproduktion. In diesen selbstorganisierten Räumen entsteht Kunst, es wird Kunst gezeigt und über Kunst gesprochen. Von Oktober 2019 bis Dezember 2020 lässt das Projekt Connected Space lokale Kunsträume und Initiativen in bislang nicht künstlerisch genutzte Orte in Bern zu Gast gehen. Dadurch entsteht im angestammten Projektraum Platz für gleich viele Initiativen aus anderen Städten der Schweiz. Auf Einladung der Berner Kunsträume erhalten diese Projekte von ausserhalb die Möglichkeit, eine Produktion oder eine Ausstellung in den Räumlichkeiten der Gastgeberinitiative zu realisieren.

Connected Space entfacht über diese fünfzehn Monate ein Lauffeuer, das zur nationalen Ausstrahlung der Hauptstadt als Kultur-Hotspot beiträgt, die Vernetzung in- und ausserhalb der Berner Kunst- und Kulturszene stärkt, mehr Sichtbarkeit und Zugänglichkeit für ein breiteres Publikum zur Folge hat und Experimente in der Kunstproduktion ermöglicht. Der kulturellen Teilhabe und Vermittlung wird besonderen Platz eingeräumt – zwei Kunstvermittlerinnen entwickeln gemeinsam mit den Kunsträumen Formate, die die Menschen vor Ort einbeziehen. Connected Space wurde im Rahmen der Ausschreibung des Hauptstadtkulturfonds für das Kollektiv Bern, einem Zusammenschluss der selbstorganisierten Projekträume und Initiativen in Bern, konzipiert.

Agenda

Intermezzo

01. März – 15. Aug 2020

Intermezzo Connected Space

Das Intermezzo ist ein ursprünglich von Juni bis September 2020 konzipiertes Gefäss für Reflektion, Aus- und Rückblick innerhalb von Connected Space; ein Denk- und Handlungsraum für Austausch, Diskussionen und Netzwerk; eine Pause zum Innehalten und gleichzeitigen Weiterstricken an bereits aufgenommenen Fäden. Diese werden im Herbst 2020 glühend heiss an die nächsten Initiativen der 4. Staffel weitergereicht.

Das Intermezzo sammelt Dialoge, Gedanken, Statements und Fragen zu Wesen, Wert und Wirkung der freien Kunstraumszene und ihren beteiligten Akteur*innen. Dazu gehören Kurator*innen, Künstler*innen, das Publikum, Interessierte und Zugewandte genauso wie Kritiker*innen und Förderer*innen. Ziel ist das gemeinsame Erarbeiten eines Manifests über eben diesen Wert und die Wirkung von selbstorganisierten Kunsträumen und Initiativen. Wir sprechen über Bedürfnisse und Bedingungen, über Care-Arbeit, Prekariat und Kunstproduktion, über Un-Abhängigkeiten und Nachhaltigkeit aber auch über Ziele und die Zukunft. Das Manifest wird in Zusammenarbeit mit vielen Menschen gemeinsam gedacht, diskutiert und verfasst. Es wird im Herbst 2020 während der 4. Staffel veröffentlicht.

Durch die Massnahmen des Corona-Virus musste Connected Space die 3. Staffel auf Januar 2021 verschieben. Es tun sich vielerorts Lücken in verschiedenster Hinsicht auf, deren langfristige Auswirkungen äusserst ungewiss sind. Die ungewohnten Situationen werfen Fragen auf und bringen Unsicherheiten mit sich. Prekäre Lebensbedingungen werden noch prekärer, Lebensgrundlagen verschwinden. Solidarität wird propagiert und unterschiedlich interpretiert - individuell und als Gesellschaft sind wir herausgefordert. Durch den Rückzug ins Private verändert sich auch unsere Kommunikation, die Begegnungsmöglichkeiten und die Zugänge zu einer Öffentlichkeit. 

Wir erachten es als überlebensnotwendig, dass gerade jetzt die Kunstszene verbunden bleibt! Zusammen wollen wir die neuen Begebenheiten besprechen, thematisieren und öffentlich zugänglich machen. 

It’s time to talk!

Darum springt Connected Space mit einem ersten Teil des Intermezzos in die entstandene Lücke: 

INTERMEZZO - It’s time to talk!

ab 16. April, jeden Donnerstag um 19h

Jeweils zwei bis vier Akteur*innen aus der Kunstszene diskutieren zusammen über Themen, die auf dem Herzen liegen oder auf der Zunge brennen - von zu Hause aus, jeden Donnerstagabend um 19 Uhr. Die Gespräche werden über Videochat geführt und über die Webseite von Connected Space gestreamt. Time to Talk schafft damit Sichtbarkeit für aktuelle Dialoge und Themen der freien Kunst- und Kulturszene. Wir holen Stimmen ab, sammeln sie und machen sie einer Öffentlichkeit zur weiteren Diskussion und Teilhabe zugänglich.

Die Künstlerin Lena Kiss wird die Gespräche künstlerisch protokollieren. Inhalte, Gedanken und Statements werden von ihr festgehalten und übersetzt – beispielsweise in kleinen Skulpturen, Satzfragmenten oder Zeichnungen. Die visuellen Untermalungen dienen als weitere Materialsammlung für das Manifest.

Personen und Themen werden jeweils eine Woche im Voraus kommuniziert. 

Zum Format

Mit dem Format Time to Talk reagieren wir auf das Bedürfnis nach Austausch und Verbindung während des Lockdowns.

Allen Sicherheits- und Privatsphärenbedenken zum Trotz treffen sich Bekannte, Verwandte, Kunstschaffende, Freischaffende, Studierende und Angestellte auf diversen Videokonferenz Plattformen zum Sein und Zusammensein. Diesen ungezwungenen Faden nehmen wir auf und spinnen ihn weiter. Genau in diesen Aspekten, dem Informellen und Unmoderierten, in Küchen, Gängen, Gärten und Besenkammer mit Wifi-Empfang finden wir uns wieder, finden wir einen Austausch der bereichert.

Mit dem Format Time to Talk reproduzieren und testen wir die spontan entstandene, informelle Austauschkultur über Videochat.

23.04. –
16.08.
19 – 19:45h

live/off/off-live/off-off

Online
19 – 19:45h

Intermezzo #2 live/off/off-live/off-off

Was passiert mit Performances im Video? Was macht das Performative mit dem Video oder dem Film? 

Videos können die live-Performances dokumentieren oder zum Besuch der Performance einladen. Performances können aber auch fürs Video gemacht werden. Das Performative kann einem Video/Film einen bestimmten Charakter geben. Und gibt es neue Formate im live-streaming oder live-switching, wenn es nicht mehr als zweitrangig angeschaut werden kann? Was bedeutet das alles für die Performance oder das Screening im off-space?

Gian-Andri Töndury, Performance- und Videokünstler
Ernestyna Orlowska, Performance- und Bildendekünstlerin
Aldir Polymeris, Performance- und Videokünstler

Mo – So19 – 19:45h
30.04. –
16.08.
19 – 19:45h

Ungewiss und hoffend?

Online
19 – 19:45h

Content Warning

Rebecca Solnit, eine Umweltaktivistin formuliert den Gedanken, dass sich Hoffnung dort lokalisiert, wo wir nicht weiterwissen und dass wir in Momenten der Ungewissheit etwas erkennen. Ist das wirklich so?

Jacqueline Baum - Künstlerin und Kunstvermittlerin (HKB-Dozentin BA/MA Art Education) und Virginie Halter - Kunstvermittlerin und Kulturmanagerin (Geschäftsführung HKB geht an Land / Projektleitung Connected Space) sprechen zusammen über Möglichkeiten und Hindernisse, die sich der Kunstvermittlung aktuell stellen. Kunst wird zurzeit nicht an Hochschulen gelehrt, sondern im Hotel, im Bus und per Voicememo. Digitalisierung, Ersatzprogramme, Ökonomie der Aufmerksamkeit – was macht das mit der Kunst, der Vermittlung, dem Publikum? Die Krise fordert uns auf die Kunstvermittlung fundamental neu zu denken. Was wird und kann Kunstvermittlung in einer Post-Covid Zukunft sein? Erkennen wir bereits etwas im Ungewissen?

Mo – So19 – 19:45h
14.05. –
16.08.
19 – 19:45h

Warum ist Kunst systemrelevant?

Online
19 – 19:45h

Aus Gründen gestattet uns Youtube das Einbetten von Live-Videos nicht. Ihr müsst den Stream also direkt auf der Plattform ansehen: https://youtu.be/3Gwl1cnVmUc

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Die Künstlerinnen Eva-Maria Würth und Daniela Brugger stellen sich Fragen zur Rolle von Kunst in der Gesellschaft. Welchen Stellenwert hat Kunst heute und wer setzt sich dafür ein, dies politisch sichtbar zu machen? Viele Künstler*innen gehen den schmalen Grat zwischen Selbstausbeutung und Selbstbestimmung, aber wie schaffen wir einen Paradigmenwechsel weg vom Prekariat? Eva-Maria Würth und Daniela Brugger imaginieren, in welche Richtung sich die Kultur(förderung) entwickeln könnte.

Daniela Brugger ist Künstlerin, die ihre Arbeit zwischen künstlerischer Produktion, Kollaboration, Kuration und Kunstvermittlung positioniert und sieht ihre Praxis als eine Form von Austausch.

Eva-Maria Würth, Künstlerin und Dozentin HSLU BA Kunst und Vermittlung, Vorstandsmitglied Pro Kultur Kanton Zürich

Mo – So19 – 19:45h
Connected Space Effingerstr. Lorrainestr. Bernstr. Eigerstr. Zieglerstr. Lorrainebrücke Speicherg. Kramg. Monbijoustr. Bundesgasse Laupenstr. Schlossstr. Bethlemenstr. Papiermühlestr. Nordring Ostermundigenstr. Kirchenfeldstr. Thunstr. Seftigenstr. Weissensteinstr. Schwarzenburgstr. Hessstr. Länggassstr. Neubrückstr.
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Info

KOLLEKTIV BERN

Der 2012 gegründete offene Interessenverbund der Berner Kunsträume und Initiativen hat zum Ziel, die Belebung und Vernetzung einer aktiven Kunstszene voranzutreiben und sich für die Sichtbarkeit und Vermittlung eines breiten kulturpolitischen Wirkens und Engagements dieser Projekte einzusetzen. Nebst internen Anlässen hat das Kollektiv in der Vergangenheit öffentliche Veranstaltungen wie das Kollektiv Open Weekend mit koordinierten Öffnungszeiten (als Pendant zum Galerienwochenende), Vermittlungsangebote, Podiumsdiskussionen und ein öffentliches Fest im PROGR organisiert. In nächster Zeit steht zusätzlich zu regelmässigen internen Veranstaltungen das gemeinsame Projekt Connected Space an, in dessen Rahmen einer breiten Öffentlichkeit auf eine zugängliche Art und Weise aktuelle Kunst geboten wird.

Gründungsmanifest (PDF)

Kontakt

Virginie Halter

Yvonne Lanz

Selina Hofer und Ursina Leutenegger